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Zeitschriftenbeiträge:

K. Mück:
"Der zeitliche Verlauf der internen Strahlenexposition nach dem Reaktorunfall Tschernobyl";
Mitteilungen der Sanitätsverwaltung, (1999), Heft 12; S. 6 - 15.



Kurzfassung:
Die bei einem Reaktorunfall wie in Tschernobyl freigesetzten Radionuklide besitzen zumeist kurze Halbwertszeiten von einigen Stunden bis einige Tage und Wochen. Nur zwei der bedeutenderen Nuklide, 134Cs und 137Cs, weisen Halbwertszeiten von 2 bzw. 30 Jahren auf. Durch die hohe Bindung dieser beiden Nuklide im Boden ergibt sich jedoch eine wesentlich steilere Abnahme der Verfügbarkeit in der Umwelt als dem radioaktiven Zerfall entspricht. Aus diesem Grund hat die 137Cs-Aktivitätskonzentration in allen relevanten Nahrungsmitteln erheblich schneller abgenommen als der physikalischen Halbwertszeit entspricht. Die effektive Halbwertszeit von 137Cs in Nahrungsmitteln liegt typischerweise bei 1,5 - 2 Jahren. Damit ergeben sich 1999 kaum mehr messbare 137Cs-Aktivitätskonzentrationen in den Nahrungsmitteln. Durch gezielte Probenahme, spezielle Probenaufbereitung und Langzeitmessungen wurden dennoch versucht, die heute noch vorhandenen Aktivitätskonzentrationen und die daraus theoretisch ableitbare Ingestionsdosis zu ermitteln. Aus den Messungen ergibt sich in Österreich 12 Jahre nach dem Fallout eine Ingestionsdosis von 3,9 ÁSv für den Erwachsenen und von 1,8 ÁSv für das fünfjährige Kind. Dies entspricht 1 % der Dosis im ersten Jahr nach dem Reaktorunfall bzw. 0,1 % der natürlichen jährlichen Strahlenexposition in Österreich.

Most of the radionuclides released with a reactor accident such as Chernobyl possess short half-lives of a few hours to several days and weeks. Only two of the more relevant radionuclides, 134Cs and 137Cs, have half-lives of 2 and 30 years, respectively. Due to the high fixation of these two nuclides in soil, however, a significantly steeper decline of the availability in the environment is observed than corresponds to the radioactive decay. As a consequence the 137Cs-activity concentration in all relevant foodstuff decreased significantly faster than the physical half-life of 137Cs in foodstuffs is about 1.5 - 2 years. This results in virtually unmeasurable activity concentrations in foodstuffs in 1999.
By specific sampling, special sample preparation and long-term measurements effort were undertaken to determine the presently remaining activity concentrations and the theoretically resulting ingestion dose. From these measurements an ingestion dose of 3.9 ÁSv for the adult and 1.8 ÁSv for the 5 year infant is derived in Austria 12 years after the fallout. This is equivalent to 1 % of the exposure in the first year after the reactor accident or to 0.1 % of the natural annual radiation exposure in Austria, respectively.

Schlagworte:
Strahlenexposition, Umweltkontamination, Transfer, Radioökologie, Caesium-137, radiation exposure, environmental contamination, radioecology, cesium-137

Erstellt aus der Publikationsdatenbank des AIT Austrian Institute of Technology.